27. Januar: Gedenktag

Gedenk in der Produktivzone Bozen
Italien begeht jedes Jahr am 27. Jänner einen "Gedenktag", an welchem an die Greuel von Nationalsozialismus und Faschismus, an Holocaust, Shoah (die Judenverfolgung), Pogrome und an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnert wird.
Der Tag des Gedenkens war im Jahr 2000 mit Staatsgesetz auf den 27. Jänner festgelegt worden. Die Vereinten Nationen erklärten 2005 den 27. Jänner, den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz (1945), zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.
Seit 2001 wird am 27. Jänner der Tag des Gedenkens begangen, auch in Bozen. In Bozen hält man diese Erinnerung durch die engagierte Arbeit des Stadtarchivs und von Historikerin Carla Giacomozzi bereits lange wach, mit zahlreichen Forschungs- und Sensibilisierungsaktionen und einer enormen Sammeltätigkeit. Das Bozner Stadtarchiv ist mittlerweile gefragtes Archiv und Expertenpool in ganz Italien und darüber hinaus, auch weil es viele Schenkungen beherbergt, die ehemalige KZ-Häftlinge des Bozner Durchgangslagers und ihre Angehörigen der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt haben.
Initiativen der Stadt von 23. bis 27. Januar 2012
Die Stadt Bozen hat auch für dieses Jahr eine Reihe von Veranstaltungen vorbereitet, die bereits vor dem 27. Jänner beginnen.
Ausstellung im Stadtarchiv (23. Januar - 17. Februar)
Am Montag, den 23. Jänner wird im Info-Point des Stadtarchivs unter den Lauben 30 eine ganz besondere Ausstellung eröffnet. Zu sehen sind fünf Bleistiftzeichnungen, die im Lager Bozen angefertigt worden waren. Diese Zeichnungen des ehemaligen Lagerinsassen A. Ernesto Capurro aus Genua wurden von der Erbin Luciana Morabito im August dem Bozner Stadtarchiv geschenkt. Durch durch seine intensive und langjährige Forschungsarbeit ist das Stadtarchiv offensichtlich als Garant für Schenkungen.
Tag gegen Vorurteile (24. Januar)
"Gib Vorurteilen keine Chance" nennt sich eine interessante Veranstaltung mit Rollenspielen, Diskussion, Film, Musik, die am 24. Jänner in der EURAC stattfindet. Veranstaltet wird die Tagung vom Verein Nevo Drom in Zusammenarbeit mit der EURAC und durch Finanzierung des Landes und der UNAR. Während der Vormittag den Schulen gewidmet ist (9 bis 12 Uhr), beginnt die Veranstaltung am Nachmittag um 16.30 Uhr mit dem Film "Vera" der Schriftstellerin Francesca Melandri. Ab 18 Uhr geht es dann in einer prominent besetzten Diskussionsveranstaltung um das Thema "Vorstellungen (jenseits) von Gut und Böse" (Francesa Melandri, Radames Gabrielli, Mamadou Gaye, Guido Barbujani, Udo Enwereuzor, Massimiliano Monanni), und ab 20 Uhr spielen "Neves e il suo gruppo" Sinti-Musik.
Theater in St. Jakob mit Teatro Prometeo (24. Januar, 25. Januar)
Ebenfalls am Dienstag (10.30 Uhr) beginnen Aufführungen der Theatergenossenschaft Prometeo im Theater im Hilberhof in St. Jakob mit Erzählungen und Bildern, die an die Ereignisse im Bozner Lager erinnern. Eine Wiederholung gibt es am 25. Jänner. Das Teatro Prometeo wird die Darbietung auch im Teatro Invito in Lecco (26. Jänner) und im Pandemonium Teatro in Bergamo wiederholen).
Durchgangslager: Schautafeln (26. Januar)
Einen Tag vor dem eigentlichen Gedenktag lädt die Stadt Bozen zu einem Termin: Um 11 Uhr werden im Rahmen einer Feierstunde die Schautafeln vor dem ehemaligen Durchgangslager in der Reschenstraße enthüllt.
Gedenktag: Kranzniederlegungen, Film (27. Januar)
Am 27. Jänner, dem Tag des Gedenkens selbst, finden am Nachmittag die Kranzniederlegungen statt: 14.30 Uhr Gedenken an die Häftlinge des Bozner Lagers an der Mauer in der Reschenstrasse 80, 15 Uhr Kranzniederlegung am Denkmal für die deportierten Juden der Region im Jüdischen Friedhof in Oberau, 15.30 Uhr Kranzniederlegung Manlio-Longon-Denkmal auf dem Stadtfriedhof.
Am 27. Jänner um 20.30 Uhr wird im Filmclub in der Streitergasse der Film "Der Fälscher" von Stefan Ruzowitzky, Deutschland, 2007 mit Karl Markovics gezeigt.
Bozner NS-Lager
Das Polizeiliche Durchgangslager war eines von vier Durchgangslagern, welche die Nationalsozialisten in Italien eingerichtet hatten. Es war bis Sommer 1944 in Betrieb. Im Rahmen des Projekts Geschichte und Erinnerung: das Bozner NS-Lager war auch die Restaurierung des erhaltenen Teils jener Mauer vorgesehen, welche das Durchgangslager in der heutigen Bozner Reschenstraße umgeben hat.
Auf Initiative der Stadt Bozen, die von der Jüdischen Kultusgemeinde Meran, dem ANPI Bozen sowie der Vereinigung der Ex-Deportierten unterstützt wurde, hat die Landesregierung den Mauerrest 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Die Restaurierungsarbeiten haben 2004 im Südteil begonnen, wurden 2005 im Nordteil fortgesetzt. Im April 2008 wurde die Innenseite der Mauer saniert.
Historische Stätten und Objekte
Das Projekt "Historische Stätten und Objekte" umfasst sechs Stadtpläne: Bozen. Wasser-Routen, Bozen. Wege zwischen Architektur und Faschismus, Bozen. Routen 1943-1945, Bozen. Wege ins Mittelalter, Bozen. Wege ins 18. Jahrhundert und Bozen. Wege der Industrialisierung.
Es sind thematische Karten, welche zum einen jeweils einen thematischen Parcours durch die Stadt (zu Fuß oder mit dem Rad) vorschlagen, zum anderen aber auch Hintergrundinformationen zu den besuchten Stätten und den behandelten Themen sowie historische Bilder liefern. Sie zeigen die Lage der Objekte und sie liefern Fotografien und alle wichtigen Informationen.
Die Karten sind kostenlos im Infopoint des Stadtarchivs unter den Lauben zu haben, sie liegen in den Bibliotheken und im Verkehrsamt auf.