27. Januar: Gedenktag

Italien begeht jedes Jahr am 27. Jänner einen "Gedenktag", an welchem an die Greuel der Shoah (die Judenverfolgung) erinnert wird. Der Tag des Gedenkens war im Jahr 2000 mit Staatsgesetz auf den 27. Jänner festgelegt worden.
Seit 2001 wird am 27. Jänner der Tag des Gedenkens begangen, auch in Bozen. Die Stadt Bozen hat auch für dieses Jahr eine Reihe von Veranstaltungen vorbereitet, die bereits vor dem 27. Jänner beginnen.
Programm 2008
Zwei Recherchen zur Stadtgeschichte von Bozen und Innsbruck
Montag, den 21. Januar 2008
Stadtgemeinde, Festsaal, Gumergasse 7
Simultanübersetzung
Vorstellung von zwei neuen Recherchen zur Stadtgeschichte von Bozen und Innsbruck.
Der stadthistorische Parcours in Bozen, der durch alle Stadtviertel führt, verdeutlicht anhand der An- oder Abwesenheit von Denkmälern und Gedenkobjekten, wie sich die Stadt an die Geschehen im Zeitraum zwischen 1943 und 1945 erinnert.
Die in Innsbruck durchgeführte Recherche beschreibt hingegen die Geschichte des Arbeitserziehungslagers (AEL) im Stadtviertel Reichenau (1941 – 1945).
Das AEL von Innsbruck wurde als Modell für Bozen herangezogen, wo 1944 vor der Inbetriebnahme des Polizeilichen Durchgangslagers eine ähnliche Struktur eingerichtet wurde.
9.30 Uhr: Grußworte der Behördenvertreter
Bürgermeister der Stadt Bozen, Luigi Spagnolli.
Stadtrat für Kultur der Stadt Bozen, Sandro Repetto.
Präsident des Landeskomitees der Nationalen Vereinigung der Partisanen, Lionello Bertoldi.
9.45 Uhr: Bozen. Routen 1943-45
Carla Giacomozzi: Vorstellung und Beschreibung der Routen.
Referat mit Bildern.
10.30 Uhr: Kaffeepause
11.00 Uhr: Das Arbeitserziehungslager (AEL) Reichenau in Innsbruck
Carla Giacomozzi: Das AEL Bozen und das AEL Reichenau.
Johannes Breit, Absam, Österreich: Das Arbeitserziehungslager Reichenau in Innsbruck von 1941 bis 1945.
Referat mit Bildern
Diskussion und Schlussfolgerungen
Während der Tagung wird folgendes Dokumentationsmaterial zur Verfügung gestellt:
- Zweisprachige Folder: Bozen. Routen 1943-45
- Broschüren über das AEL Reichenau in deutscher und italienischer Sprache
- Dokumentationsmaterial des Stadtarchivs über das Pol. Durchgangslager Bozen
Juden, Sinti, Roma: Völker während des Genozids
Vom 21. bis 26. Jänner lädt das Friedenszentrum der Stadt Bozen und der Verein Nevo Drom, der von einer Gruppe von Sinti 2006 in Bozen gegründet worden ist, zur Veranstaltungsreihe "Juden, Sinti, Roma: Völker während des Genozids" mit einer Ausstellung, einem Treffen mit SchülerInnen und einer Abendveranstaltung (23. Jänner).
Torberg und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Tag des Gedenkens: Abend in der Stadtbibliothek am 24. Jänner.
Auch die Stadtbibliothek widmet diese Woche dem Tag des Gedenkens einen Abend: Am Donnerstag, 24. Jänner um 18 Uhr spricht die Germanistin der Universität Bologna, Paola Maria Filippi, auch Verantwortliche der Bibliothek für Österreichische Literatur in Trient, über den Widerstand der österreichischen Intellektuellen gegen den Nationalsozialismus.
"Ridere per non piangere: la tragicità del quotidiano trasformata in romanzo: Friedrich Torberg e la fine di un mondo", so der Titel der Veranstaltung. Ironie war dabei die einzige Waffe der Intellektuellen um Friedrich Torberg. Im Zuge des Abends wird auch eine DVD gezeigt, die Auszüge aus Torbergs Buch "Auch das war Wien" dokumentiert und von Eric R. Kandel handelt, dem Nobelpreis für Medizin und Autor des Buchs "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" (2006).
Kranzniederlegungen
Am Samstag, den 26. Jänner beginnen um 11 Uhr die offiziellen Kranzniederlegungen durch die Stadt Bozen an der Mauer in der Reschenstraße, beim Denkmal auf dem Jüdischen Friedhof in Oberau (11.30 Uhr) und beim Manlio-Longon-Denkmal am Städtischen Friedhof (12 Uhr).
Am 25. Jänner ist die Stadt Bozen bei einer großen Tagung in der Risiera di San Sabba in Triest mit einem Referat über das Lager vertreten, und am 27. Jänner tritt Carla Giacomizzi als offizeille Rednerin bei der Gedenkveranstaltung im Palazzo della Gran Guardia in Verona auf.
Historische Stätten und Objekte
Das Stadtarchiv hat im Rahmen des Projekts "Historische Stätten und Objekte" drei neue Stadtpläne herausgegeben. Es handelt sich um thematische Karten, welche zum einen jeweils einen thematischen Parcours durch die Stadt (zu Fuß oder mit dem Rad) vorschlagen, zum anderen aber auch Hintergrundinformationen zu den besuchten Stätten und den behandelten Themen sowie historische Bilder liefern.
Das Projekt umfasst nun schon sechs Stadtpläne. Neu sind "Bozen. Wasser-Routen" von Paola Bassetti, "Bozen. Wege zwischen Architektur und Faschismus" von Martha Verdorfer und "Bozen. Routen 1943-1945" von Carla Giacomozzi.
Bereits vergriffen waren die ersten, nun neu aufgelegten, drei Karten zu den Themen "Bozen. Wege ins Mittelalter", "Bozen. Wege ins 18. Jahrhundert" von Silvia Spada Pintarelli und "Bozen. Wege der Industrialisierung" von Pietro Fogale.
Die Karten bieten jeweils Routen zu den historischen Stätten an, die entweder mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden können, sie zeigen die Lage der Objekte und sie liefern Fotografien und alle wichtigen Informationen. So macht die Karte über die Wasser-Routen z.B. auf die Gugler'sche Schwimmschule aufmerksam, während zum Themenbereich Architektur und Faschismus die Venedigerstraße genauso Beachtung findet wie der Bahnhof oder die INCIS-Häuser. Die Routen 1943-1945 führen vorbei an Gedenkstätten, welche im Lauf der Jahre errichtet wurden, erläutern die historischen Zusammenhänge und erinnern an die Ereignisse aus dieser Zeit, welche die ganze Stadt betroffen haben.
Die Karten sind kostenlos im Infopoint des Stadtarchivs unter den Lauben zu haben, sie liegen in den Bibliotheken und im Verkehrsamt auf.