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Franziskanerkirche in Bozen

Foto Die Franziskanerkirche des Franziskanerklosters besticht durch ihre Schlichtheit und Weite. Sie ist eine der wenigen Kirchen ihrer Zeit, die ungehindert den Zug der Gotik nach oben zeigt. Der Blick auf den berühmten, um 1500 entstandenen Klockeraltar im lichterfüllen Hochchor wird von keinem Lettner und von keinem vorgesetzten Hochaltar versperrt. Der Lettner, besonders in Klosterkirchen übliche Trennung zwischen Hochchor, der den Brüdern vorbehalten war, und Hauptkirche, wurde bereits 1790 entfernt. Der vorgesetzte barocke Hochaltar wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

Beim Klockeraltar handelt es sich um einen Weihnachtsaltar, der dem Betrachter das Wunder der Menschwerdung Christi verdeutlichen soll. Maria und Joseph knien vor dem göttlichen Kind. Der hölzerne Altar war jahrhundertelang auf den Dachboden verbannt und wurde von den Klosterbrüdern erst im 19. Jahrhundert wieder aufgestellt.

Die Wände der Kirche sind fast leer. Eine der wenigen Freskenabbildungen, entstanden um 1500, stellt eine absolute kunstgeschichtliche Rarität dar, die Universitätskultur in einer Kirche.
Bei den 16 abgebildeten Männern in schwarzen Talaren handelt es sich nämlich nicht um Kirchenväter oder Heilige, sondern um in ernsthafte Gespräche vertiefte franziskanische Professoren der berühmtesten Universitäten der frühen Neuzeit: London, Oxford, Paris, Neapel, Heidelberg. Bemerkenswert ist nicht nur das Thema der Darstellung an sich, sondern auch die Ausführung. Selbst Fuß- und Handbewegung der Personen drücken angeregtes Disputieren aus. Jeder Einzelne trägt einen Ehrennamen, wie z.B. Doktor Sottilis.