Ötzi

Der Mann aus dem Eis
Vor über 5.000 Jahren stieg ein Mann in die eisigen Höhen der Schnalstaler Gletscher und kam dort um. Im Jahr 1991 wird er zufällig gefunden: mitsamt seiner Kleidung und Ausrüstung, mumifiziert, gefroren - eine archäologische Sensation und eine einzigartige Momentaufnahme eines kupferzeitlichen Menschen, der im Hochgebirge unterwegs war.
Nach mehrjährigen Untersuchungen durch hochspezialisierte Forscherteams sind die Mumie vom Gletscher und ihre Beifunde jetzt im Südtiroler Archäologiemuseum der Öffentlichkeit zugänglich.
Fasziniert, staunend, aber auch seltsam berührt begegnen wir einem Zeugen unserer eigenen Vergangenheit. Das Schicksal dieses Einzelnen nimmt der "Geschichte" ihre Anonymität - und wird in unseren Köpfen lebendig.
Eingefügt in den historischen Rahmen bilden der Mann aus dem Eis und seine Originalbeifunde den zentralen Ausstellungskomplex des Südtiroler Archäologiemuseums.
Laut Beschluss der Südtiroler Landesregierung vom 2. Juli 1997 lautet die offizielle Bezeichnung der Gletschermumie "Mann aus dem Eis". Im deutschen Sprachraum ist der Kosename "Ötzi" (nach der Fundstelle in den Ötztaler Alpen) sehr geläufig. Bitte vermeiden Sie dagegen den Ausdruck "Eismann", um die Verwechslung mit einem Lieferservice für Tiefkühlkost zu vermeiden.
Ötzi²º
Vom 1. März 2011 bis zum 15. Januar 2012
Eine Sonderausstellung mit dem Titel "Ötzi²º" im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen: Ötzi wird 20 Jahre alt. Sie beleuchtet die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, umfasst aber auch Kurioses und Absurdes. Wie ein roter Faden schlängelt sich durch die Ausstellung die spannende Frage: Was macht Ötzi mit uns?
2001: 10 Jahre Urahn Ötzi
Am 19. September 1991 ging eine Sensationsnachricht um die Welt. Am Hauslabjoch, dem Grenzübergang zwischen dem Schnals- und dem Ötztal, war eine mumifizierte Leiche gefunden worden. 15 Kilogramm schwer, 1.60m groß und, was am allerwichtigsten war, 5.300 Jahre alt. Der Ötzi, wie man ihn schnell nannte, war eine archäologische Einzigartigkeit und brachte die Wissenschaftler dazu, die Urgeschichte teilweise umzuschreiben. Das Ereignis der Wiederauffindung jährt sich heuer zum 10. Mal und wird im Südtiroler Archäologiemuseum, wo der Ötzi ausgestellt ist, gebührend gefeiert.
Die Bozner Mumie ist etwas Einzigartiges: Bisher waren allenfalls Kultstätten aus der Kupferzeit entdeckt worden. Orte, an denen die Menschen, einer Zeremonie folgend, bestattet wurden. Der Ötzi aber lag dort, wo ihn der Tod auf der Blüte seines Lebens getroffen hat und umgeben von den Gegenstände, die er vor über 5.000 Jahre zum Leben in der freien Natur brauchte.
Sechs Jahre lang wurden der Ötzi und seine Habseligkeiten im Institut für Anatomie in Innsbruck untersucht. Mediziner und Mikrobiologen, Anthropologen und Archäologen scharten sich um ihn und gewannen dabei wertvolle Erkenntnisse über das Alltagsleben der Menschen in der Kupferzeit.
1998 wurde der Mann aus dem Eis dann nach Bozen ins Südtiroler Archäologiemuseum überführt. Im September 2000 wurden dann neue Proben entnommen, von denen man sich vertiefte Erkenntnisse über die Herkunft, über die Todesursache und die DNA-Struktur von Ötzi erwartet. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich arbeitet man z.B. derzeit an einer winzigen Zahnschmelzprobe des Ötzi, die verraten soll, wo der 5.300 Jahre alte Mann aufgewachsen ist.
In Bozen und London arbeitet ein Forscherteam an der DNA Analyse unseres Urahnen und in Verona wird über die Todesursache nachgeforscht. Die Ergebnisse werden auf einem Wissenschaftlichen Kongress in Bozen, der heuer (2002) im September stattfinden wird, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. An die 100 Wissenschaftler haben sich jetzt schon dafür angemeldet.
Die Ereignisse sollen dann zum einen in einem Sammelband erscheinen, zum anderen in einen wissenschaftlichen Dokumentarfilm aufgearbeitet werden, den die BBC und Discovery Channel drehen.
Die Daten und Fakten sind freilich trockene Lektüre für Forscher; wer den Mann aus der Kupferzeit in natura erleben möchte ist im Südtiroler Archäologiemuseum am richtigen Ort. In einer klimatisierten Zelle ist der mumifizierte Ötzi ausgestellt, in eigenen Schaukästen seine Beifunde. Die ledernen Beinkleider, die von den Besuchern schon mal leger als "leggins" bezeichnet werden, der Fellmantel, der Umhang aus Süßgras, der wohl als Regenschutz gedient haben dürfte und nicht zuletzt die sensationelle Axt, ein über 60 cm langes Beil, mit einer Kupferklinge, die zuerst gegossen und dann geschmiedet wurde.