MTB 2008 Marathon

UCI Mountain Bike 2008 Marathon Weltmeisterschaft

Südtirol beherbergt 2008 eine weitere internationale Großveranstaltung. Am Samstag, den 5. Juli 2008 fand in Niederdorf (Hochpustertal) die sechste UCI Mountainbike Marathon Weltmeisterschaft statt.

Die 6. UCI-Marathon-Weltmeisterschaft in Niederdorf wird zweifelsohne in die Sportgeschichte eingehen. Die fünf Hochpustertaler Gemeinden Niederdorf, Prags, Toblach, Sexten, Innichen mit ihren zahlreichen freiwilligen Helfern haben die Sache gut gemacht und ernteten am Wochenende auch viel Lob von Seiten des Internationalen Radsportverbandes UCI, der den Veranstaltern eine Trophäe überreichte.

Dahle - Paulissen
Gunn-Rita Dahle und Roel Paulissen, UCI Mountainbike Marathon Weltmeister 2008

Die Marathon-WM am Samstag war gekennzeichnet vom dramatischen Finale mit Sturz zwischen den absoluten Top-Favoriten Roel Paulissen (Belgien/Weltmeister) und Christoph Sauser (Schweiz/Vize-Weltmeister). Das sehr zahlreiche Publikum kam so auch voll auf seine Kosten.

Die ersten Weltmeisterschaften wurden 2003 in Lugano (Schweiz) ausgetragen. Als Austragungsorte folgten Bad Goisern (Österreich, 2004), Lillehammer (Norwegen, 2005), Oisans (Frankreich, 2005) und Verviers (Belgien, 2007). Die Weltmeisterschaften 2005 fanden im Rahmen des Birkebeinerrittet-Marathons in Lillehammer statt.

Der Internationale Radsportverband UCI hat sich 2006 in Holland für Südtirol als WM-Austragungsort entschieden. Südtirol Dolomiti Superbike hatte sich dabei gegen drei Mitbewerber durchgesetzt und zwar Cortina D'Ampezzo (I), Kirchzarten (D) und Madrid (SPA). Dafür ausschlaggebend waren die bewährte Strecke, die faszinierende Südtiroler Dolomitenlandschaft, das ausgezeichnete Krisenmanagement, die positiven Kommentare der Athleten sowie die großzügigen Infrastrukturen.

Der Streckenverlauf für die Weltmeisterschaft der Herren beträgt 119,9 km bzw. 88,6 km für die Damen und verläuft, wie 2006, wieder gegen den Uhrzeigersinn. Damit führt der erste lange Anstieg zur Plätzwiese hinauf, die sonst immer der letzte und oft rennentscheidende Anstieg war.

Die verkürzte Strecke der Damen hingegen, führt direkt nach Toblach und verzichtet somit auf den ersten Anstieg zur Plätzwiese.

Der Start erfolgt auf der Staatsstraße neben dem Hauptplatz von Niederdorf.

Die Renndauer wird mit vier- bis viereinhalb Stunden beziffert.

Gunn-Rita Dahle ist UCI MTB Marathon-Weltmeisterin

Spitz - Dahle - Sundstedt
Sabine Spitz, Gunn-Rita Dahle und Pia Sundstedt
Spitz - Dahle - Sundstedt
Sabine Spitz, Gunn-Rita Dahle und Pia Sundstedt
Dahle
Gunn-Rita Dahle feiert

Die 35-jährige Norwegerin Gunn-Rita Dahle hat in Niederdorf (Südtirol/Italien) die UCI MTB Marathon Weltmeisterschaft gewonnen. Für Dahle war dies bereits der vierte Titel in dieser Disziplin nach 2004, 2005 und 2006. Die Weltmeisterin bewältigte die 88,6 km und 3040 Höhenmeter in 4 Stunden 9 Minuten und 44 Sekunden. Mit einem Rückstand von 1 Minute 44 Sekunden wurde Sabine Spitz aus Deutschland Zweite. Auf Rang drei kam die Finnin Pia Sundstedt (Rückstand 3 Minuten 39 Sekunden).

  • 1. Gunn-Rita Dahle (NOR) 4:09.56
  • 2. Sabine Spitz (D) 4:11.40
  • 3. Pia Sundstedt (FIN) 4:13.35
  • 4. Esther Süss (SUI) 4:21.49
  • 5. Erika Dicht (SUI) 4:23.31
  • 6. Elena Gaddoni (ITA) 4:26.30
  • 7. Anna Ferrari (ITA) 4:28.31
  • 8. Marielle Saner-Guinchard (SUI) 4:29.18
  • 9. Antonia Wipfli (SUI) 4:31.38
  • 10. Kathrin Schwing (D) 4:34.16

Gunn Rita Dahle hat mit ihrem Sieg bei der MTB-Marathon-Weltmeisterschaft in Niederdorf (Südtirol/Italy) wieder den Weg zurück an die absolute Spitze geschafft. Die Norwegerin konnte nämlich im Vorjahr aufgrund einer schweren Virusinfektion ihren Cross-Country-WM-Titel in Fort William (Schottland) und kürzlich auch in Val di Sole nicht verteidigen. Sabine Spitz hat als Zweite einmal mehr bewiesen, dass sie auch auf langen Distanzen ganz vorne mithalten kann. Die drittplatzierte Pia Sundstedt konnte heuer bereits den Marathon-Weltcup-Auftakt in der Türkei gewinnen und hat die Erwartungen in Niederdorf vollends erfüllt.

Die Norwegerin Gunn Rita Dahle war im Anstieg zur Plätzwiese gemeinsam mit Pia Sundstedt (Finnland), Sabine Spitz (Deutschland), Ester Süss (Schweiz) und der Italienerin Elena Gaddoni ausgerissen. Nach und nach konnte die Goldmedaillengewinnerin von Athen (2004) ihre Konkurrentinnen abschütteln und den Wettkampf über 88 Kilometer und 2840 Höhenmetern mit einer Zeit von 4:09.56 Stunden gewinnen. Im Ziel auf dem Hauptplatz von Niederdorf betrug ihr Vorsprung auf Spitz und Sundstedt 1.44 bzw. 3.39 Minuten.

Etwas hinter den Erwartungen geblieben ist Esther Süss, die als Vierte 11.53 Minuten auf Dahle verloren hat. Die Schweizerin hat die letzten zwei Auflagen des Südtirol Dolomiti Superbike, auf dessen Strecke diese Weltmeisterschaft gefahren wurde, gewonnen. Etwas überraschend ist der fünfte Rang ihrer Landsfrau Erika Dicht mit einem Rückstand von 13.35 Minuten.

Ein starkes Rennen hat auch die "Azzurra" Elena Gaddoni aus Sechste geliefert. Die 28-Jährige aus Ravenna hat einen Teilzeitjob als Büroangestellte und hätte wahrscheinlich auch noch weiter vorne landen können, wäre sie nicht so weite Strecken alleine gefahren.

Nicht ins Ziel kam ihre höher eingeschätzte Landsfrau Annabella Stropparo. Enttäuscht hat auch Laurence Leboucher als 25. mit einem Rückstand von 48.25 Minuten. Die Französin war 1998 Cross-Country-Weltmeisterin.

Gunn Rita Dahle: Im Anstieg zur Rotwand bei Sexten konnte ich mich von meinen vier Fluchtgefährtinnen absetzen. Hinauf zur Silvesteralm ist mein Vorsprung zwar etwas geschrumpft, doch ich konnte den Sieg dennoch sicher holen. Nun werde ich nach Deutschland fahren und von dort aus direkt nach Kanada fliegen, wo das nächste Cross Country-Weltcuprennen stattfindet. Von dort geht es dann direkt nach Peking zu den Olympischen Spielen. Den Sieg habe ich mir heute nicht erwartet. Mountainbiken ist mein Job und ich werde auf jeden Fall bis Olympia 2012 in London weiterfahren.

Sabine Spitz: Leider habe ich die Strecke hier nicht getestet und das war sicherlich ein Nachteil. Bei den Abzweigungen musste ich daher das Tempo etwas rausnehmen und habe somit etwas Zeit liegen gelassen. Im ersten Anstieg zur Plätzwiese waren wir noch zu fünft. Leider habe ich später den Anschluss verloren und bin so lange Zeit alleine gefahren. Gunn Rita Dahle hatte bei der dritten Verpflegungsstelle bereits drei Minuten Vorsprung. Hier in Niederdorf hat meine eigentliche Vorbereitung für Olympia begonnen.

Pia Sundstedt: Der Rhythmus hinauf zur Rotwandhütte war für mich einfach zu hoch. Am Kreuzbergpass hatte ich zwei Minuten Rückstand auf Dahle. Kurz danach habe ich dann Sabine Spitz eingeholt. Wir sind dann gemeinsam weitergefahren, wobei Sabine am meisten Führungsarbeit übernommen hat. An der Silvesteralm waren wir noch zuversichtlich, Gunn Rita Dahle einholen zu können. Es hat dann leider nicht mehr gereicht und ich habe zudem noch 1,5 Kilometer vor dem Ziel einen Platten am Hinterrad gehabt. Jetzt mache ich Urlaub zuhause in Finnland. Olympia kommt für mich nicht in Frage, da unser Land zu wenig UCI-Punkte aufweist.

Erster WM-Titel für Roel Paulissen

Roel Paulissen aus Belgien ist der neue MTB-Marathon-Weltmeister. Dem Olympia-Vierten von Athen 2004 ist der Titel in Niederdorf (Südtirol/Italy) nach einem Entscheid der Jury des UCI zugesprochen worden.

Aufstieg
Aufstieg Plätzwiesen
Plaetzwiesen
Ankunft Plätzwiesen
Aufstieg
Leon Paez und Sauser Christoph in Sexten
Helm
Roel Paulissen, Sauser Christoph und Leon Paez am Helm
Paulissen - Sauser
Paulissen und Sauser auf dem Boden
Paulissen - Sauser
Paulissen und Sauser
Sauser
Sauser am Ziel
Paulissen
Paulissen am Ziel
Sauser - Paulissen - Huber
Cristoph Sauser, Roel Paulissen und Urs Huber

Paulissen war im Zieleinlauf nach 120 km und 3822 Höhenmetern mit Christoph Sauser zu Sturz gekommen. Dem Schweizer wurde die Silbermedaille überreicht.

Dritter wurde sein Landsman Urs Huber.

Auf den Rängen vier bis sieben folgen Leonardo Paez (Kolumbien) und die Schweizer Ralph Näf, Lukas Buchli und Thomas Frischknecht. Bester Teilnehmer aus Italien war Johnny Cattaneo auf Rang acht.

  • 1. Roel Paulissen (Belgien) 4:46.56,3
  • 2. Cristoph Sauser (Schweiz) 4:46.56,3
  • 3. Urs Huber (Schweiz) 4:51.56,8
  • 4. Leonardo Paez (Kolumbien) 4:55.14,1
  • 5. Ralph Näf (Schweiz) 4:56.10,8
  • 6. Lukas Buchli (Schweiz) 4:57.27,7
  • 7. Thomas Frischknecht (Schweiz) 4:58.54,9
  • 8. Johnny Cattaneo (Italien) 5:00.33,8
  • 9. Fredrik Kessiakoff (Schweden) 5:01.04,9
  • 10. Sandro Späth (Schweiz) 5:02.16,2
  • 12. Gilberto Simoni (Italien) 5:04.40,8
  • 20. Hannes Pallhuber (Antholz/Südtirol/Italy)

Roel Paulissen: Es ist ein komisches Gefühl für beide. Wir waren fast fünf Stunden zusammen und dann dieser Ausgang. Es wäre schön, wenn wir beide Weltmeister geworden wären. Wir waren heute beide sehr stark und haben richtig angegriffen. Lange Zeit war der Kolumbianer Leonardo Paez mit uns, aber er hat nicht zusammengearbeitet, wir wussten allerdings nicht, ob er uns nur täuschen würde. Wir haben dann einen Angriff gestartet und Paez hat nicht mehr reagiert. Ich wusste, dass ich der bessere Sprinter als Christoph bin und habe auf den Zielsprint gesetzt. Ich muss aber auch sagen, dass ich viel Führungsarbeit geleistet habe. Auf dem letzten Anstieg ist der Kampf nocheinmal richtig los gegangen. Das Rennen hat eigentlich erst in Sexten begonnen und zwar beim Anstieg auf die Rotwand.

Christoph Sauser: Ich bin einfach gesprintet und wenn ich sprinte bewege ich natürlich meine Lenkung. Und mit dieser habe ich Reoel touchiert und wir sind beide zu Sturz gekommen. Es ist schade, dass nur ein UCI-Kommissär entscheidet und nicht eine Jury von 3-5 Leuten. Bei einem Strassensprint wäre so eine Entscheidung nicht passiert. Ich bin enttäuscht, denn es ist komisch, als Erster durchs Ziel zu fahren und Zweiter zu werden. Es ist das härteste Rennen, dass ich je gemacht habe. Wir haben zweimal das Leben riskiert: einmal in den Abfahrten und ein ander Mal beim Zielsprint.

Urs Huber: Als dritter der Marathon-EM bin ich sehr motiviert an den Start gegangen. Ich hatte großes Selbstvertrauen, wusste aber, dass es ein hartes und langes Rennen werden würde. Ich habe zusehends aufgeholt und den Anschluss gefunden und begonnen an einen top-ten-Platz zu glauben. 10 km vor den Ziel habe ich dann den dritten Platz in Reichweite gesehen.

Dolomiti Superbike

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Die klassische MTB-Marathon im Hochpustertal

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