Mustergasse
Heute erstrahlt die Mustergasse wieder im alten Glanz und ist eine der feinsten Adressen Bozens, mit Cafès, eleganten Geschäften und einer Galerie (Goethe Galerie). Der Vorraum zum Salon der Stadt, dem Waltherplatz.
Namen hatte sie schon viele, Mustergasse, Herrengasse, Erzherzog Rainer Straße und wieder Mustergasse.

Vor dem Schleifen der Bozner Stadtmauer 1277 war sie ein bedeutungsloser Außenposten, danach wurde sie zur natürlichen Erweiterungszone des mittelalterlichen Stadtkerns gegen Süden und zur feinsten Straße Bozens, wo sich der Adel seine Palais’ baute.
Im Laufe des 17. und 18. Jh. erhielt die Mustergasse ihre heutige Form. Kaufleute und Adlige erwarben schon bestehende Häuser, bauten sie zu repräsentativen Residenzen um und verliehen ihnen eine barocke (oder später klassizistische) Fassade.

Den zwar barocken, aber schlicht gehaltenen Fassaden sieht man die inneren Schätze der Gebäude nicht an. Die Namen der Palais’ sind allein schon Geschichte: Palais Menz (heute Banca Intesa), Palais Campofranco (Goethegalerie und ehemalige Residenz des im Dom begrabenen Erzherzogs Rainer von Österreich), Palais Pock (Sitz der Versicherungsgruppe RAS). Mit Ausnahme des Palais Menz, das jeden Mittwoch ab 10 Uhr besichtigt werden kann, werden diese prunkvollen Residenzen nur selten zur Besichtigung freigegeben.
Bozner Kaufleute, wie die Familie Menz oder Franz Anton Pock, brachten von ihren Handelsreisen nicht nur die Kunst Italiens, sondern auch des Orients in die Stadt. Der Festsaal des Palais Menz wurde 1776 anlässlich der Hochzeit von Georg Paul Menz mit Klara Amort von Karl Henrici mit Fresken ausgeschmückt, die von der venezianischen Malerei, insbesondere Tiepolo, beeinflusst sind.
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges war dei Glanzzeit der Mustergasse zu Ende, und die herrenlosen Residenzen standen zum Verkauf.