Logo bolzano.net  
 




Mustergasse, wo die Herren zu Hause waren

Heute erstrahlt die Mustergasse wieder im alten Glanz und ist eine der feinsten Adressen Bozens, mit Cafès, eleganten Geschäften und einer Galerie (Goethe Galerie). Der Vorraum zum Salon der Stadt, dem Waltherplatz.

Namen hatte sie schon viele, Mustergasse, Herrengasse, Erzherzog Rainer Straße und wieder Mustergasse.

Fassaden Vom Waltherplatz

Vor dem Schleifen der Bozner Stadtmauer 1277 war sie ein bedeutungsloser Außenposten, danach wurde sie zur natürlichen Erweiterungszone des mittelalterlichen Stadtkerns gegen Süden und zur feinsten Straße Bozens, wo sich der Adel seine Palais’ baute.

Im Laufe des 17. und 18. Jh. erhielt die Mustergasse ihre heutige Form. Kaufleute und Adlige erwarben schon bestehende Häuser, bauten sie zu repräsentativen Residenzen um und verliehen ihnen eine barocke (oder später klassizistische) Fassade.

Den zwar barocken, aber schlicht gehaltenen Fassaden sieht man die inneren Schätze der Gebäude nicht an. Die Namen der Palais’ sind allein schon Geschichte: Palais Menz (heute Banca Intesa), Palais Campofranco (Goethegalerie und ehemalige Residenz des im Dom begrabenen Erzherzogs Rainer von Österreich), Palais Pock (Sitz der Versicherungsgruppe RAS). Mit Ausnahme des Palais Menz, das jeden Mittwoch ab 10 Uhr besichtigt werden kann, werden diese prunkvollen Residenzen nur selten zur Besichtigung freigegeben.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges war die Glanzzeit der Mustergasse zu Ende, und die herrenlosen Residenzen standen zum Verkauf. In das Palais Pock zog 1928 die Versicherungsgesellschaft Riunione Adriatica di Sicurtä di Trieste, kurz RAS, ein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1948 verlief eine Trambahnlinie durch die Mustergasse, für die angeblich Laubengänge an der Nordseite der Gasse entfernt wurden.

Mustergasse Mustergasse

Palais Campofranco

Palais Campofranco Palais Campofranco war um 1300 Sitz der damals in Bozen ansässig gewordenen Florentiner Bankiersfamilie Cocci - Botsch. Um 1760 wurde das Palais umgebaut.

Im 19. Jh. Eigentum des österreichischen Erzherzogs Rainer und seiner Enkelin, der Fürstin von Campofranco.


Palais Menz

Palais Menz Palais Menz, gegenüber Palais Campofranco, wurde um 1670 errichtet und wurde 1753 von der Bozner Patrizierfamilie Menz erworben.

Palais Menz wurde grundlegend umgebaut, erhalten blieb der mit Rokokofresken von Karl Henrici (zwischen 1776 und 1784) im Stil Tiepolos ausgeschmückte Ballsaal.

Bozner Kaufleute, wie die Familie Menz oder Franz Anton Pock, brachten von ihren Handelsreisen nicht nur die Kunst Italiens, sondern auch des Orients in die Stadt. Der Festsaal des Palais Menz wurde 1776 anlässlich der Hochzeit von Georg Paul Menz mit Klara Amort von Karl Henrici mit Fresken ausgeschmückt, die von der venezianischen Malerei, insbesondere Tiepolo, beeinflusst sind. An der Decke kann man einen Triumph der Liebe mit einem waffenlosen Amor bewundern, Wandmedaillons zeigen die vier Elemente in Form der antiken Götter, Neptun, Pluto, Bacchus und Äolus. Die Wandbilder sind ein Paradebeispiel für barockes und insbesondere venezianisches Lebensgefühl: Menschengruppen in Gartenlandschaften, die tanzen, musizieren und kokettieren.

Im Nebenraum, dem sogenannten Chinesenzimmer, kann man ein weiteres Fresko Henricis bewundern. Chinoiserien waren gegen Ende des 18. Jahrhunderts sehr in Mode. Wobei chinesisch nur ein Überbegriff für orientalisch war. Im Chinesenzimmer des Tuchhändlers Menz, der aus dem Orient reich verzierte Blumenstoffe bezog, finden sich nicht nur Chinesen, sondern auch Peruaner, Indianer und fantasievolle Meereslandschaften sowie Landschaften mit exotischer Vegetation und surrealistisch anmutenden Vögeln. Typisch für die Malerei Henricis sind die zahlreichen Trompe-l'Oeil-Effekte.